Erfahrungen mit Servas in Indien

In diesem Teil schreibe ich über unser Erfahrungen mit Servas in Indien und was wir mit ihm so alles erleben durften. Wir haben noch einige Leute mehr kennengelernt, viele Fotos machen dürfen, den Bürgermeister vom Ort treffen dürfen und noch viele andere Erlebnisse erleben können. Erst einmal zum Titelbild. Dieses entstand während unseres Aufenthalts beim Servas Gastgeber als wir den Bürgermeister trafen. In der Mitte sitzt er. Er hat ein selten schönes Lächeln, weshalb wir einfach mal genauso schauen wollten.

Der Umzug zum Servas Gastgeber

An einem Abend im airbnb nahmen wir Kontakt zu einem Servas Mitglied in Kolkata auf. Er war sehr interessiert uns kennenzulernen und besuchte uns prompt als er die E-Mail sah. Da stand er plötzlich in unserem airbnb und fragte und aus. Auch unterstellte er uns wir hätte unsere Reise ja komplett falsch angegangen. Wir hätten in den armen Ländern anfangen und in den reichen aufhören sollen. Teilweise hat er recht, aber nur teilweise. Die Umstellungen waren schon als schwierig. Und die schwerste für mich war diese von den Malediven zu Indien. Naja. Nach vier Tagen zogen wir dann um, zu ihm in einen anderen Stadtteil von Kolkata nach Bally. Die erste Fahrt alleine durch die Großstadt. Und die Fahrt war natürlich so abenteuerlich wie erwartet! Der Fahrer brachte uns nicht genau an das Ziel wohin wir eigentlich wollten. Bis zum Ziel hätte er noch mal deutlich mehr Geld verlangt was einfach nur unverschämt viel war. Wir stiegen aus und erwarteten unseren Gastgeber, der uns abholte.

Ankunft bei Servas in Indien

Mensch, war der Mann aktiv. Das war ja der Wahnsinn. Wie viel er hat reden können und vor allem auch fragen… wow. Das hat uns als echt müde gemacht. Aber bei ihm hatten wir eine echt große Chance Indische Kultur kennenzulernen. Und genutzt! Schon am ersten Abend nahm er uns mit zu einem seiner Freunde. Er hat ein großes Haus, große Familie und ein Sanitäranlagen- Geschäft. Unser Gastgeber nahm ein paar Bilder von seinen Reisen mit um sie uns allen zu zeigen. Wir waren natürlich schon sehr interessiert, denn als er jung war, bekam er die Chance 10 Jahre durch viele Länder zu reisen und Kulturen kennenzulernen. 1993 bis 2003 war er in der Welt unterwegs, auch in Deutschland und unseren Nachbarn. Da kamen ganz schön viele Erfahrungen zusammen und natürlich eine beachtliche Sammlung an Bildern. So viele, die konnten wir uns gar nicht alle ansehen. Wir wollten ja auch selbst Erfahrungen sammeln und nicht nur die Erfahrung anderer sehen. Also gingen wir am nächsten Tag noch einmal in die Stadt zu…

Mutter Theresas Haus

Sie wohnte die längste Zeit ihres Lebens in Indien und eröffnete hier Räumlichkeiten in denen Menschen betreut und gepflegt werden, denen es ganz arg schlecht ging/ geht. Hier arbeiten Menschen die auf den Straßen Kolkatas unterwegs sind und sehr sehr schlecht aussehende Menschen einsammeln und wieder aufraffen bis sie wieder alleine können. Eine super Organisation, welche nun weltweit über 700 Standorte hat. Wahnsinn. Wir sahen das Zimmer in dem Mutter Theresa einst lebte und auch die Stationen der Kinder, in denen diese gepflegt werden. Es hat mich sehr berührt. Hier haben wir auch den ein oder anderen freiwilligen ausländischen Helfer getroffen. Ich finde, man muss schon ganz schön stark und fit sein um hier zu helfen. In Vanessa hat dieser Besuch hier etwas erweckt. Aber dazu später mehr.

Die Erlebnisse überschlagen sich

Nach diesem Besuch mussten wir wieder zum Zug um nach Hause zu kommen. Mit diesem Zug, rate ich keinem zu fahren. In unserem Indien video auf YouTube (Minute 2:10…..) wirst du sehen, was ich meine. Aber eine Erfahrung war es tatsächlich wert. Mit den Menschen im Zug war man sofort ganz nah, ob man wollte oder nicht. Es kam auch schnell zu Gesprächen und natürlich beachteten mich wieder sehr sehr viele Augen auf einmal. Immer wieder hörte man das Wort „Foreigner, Foreigner“ das heißt „Ausländer, Ausländer“. Mittlerweile teilweise akzeptiert als mein zweiten Nachnamen. Ja ich bin für die ein Ausländer, aber krass dass sie es immer wieder und zwar alle sagen müssen. Wie müssen sich unsere Flüchtlinge in Deutschland fühlen? Da kommen Fragen auf, über welche man zuvor nie nachgedacht hätte. Wie wäre denn ich, wenn in Deutschland nur Deutsche Menschen zu sehen wären und plötzlich ein ganz ungewohnter Mensch vor mir steht? Hmmm. Immer wieder dachte ich, nein ich bin nicht „Foreigner“, ich bin Mensch, aber im Prinzip bin ich eben auch als Mensch einfach ein Ausländer hier. Ist ja Tatsache.

„Do you feel comfortable?“

Die Frage im Zug war dann noch, wie ich mich denn gerade fühlen würde? Naja wie fühlt man sich? Was würde man nun in Deutschland antworten? „Ich fühle mich wie in einer Sardinendose.“ Ich sagte ich bin ok. Sie schauten mich an und sahen sich gegenseitig an. Sie sagten sich und schüttelten dabei den Kopf: „nein, ist er nicht!“. Wie solle ich mich wohlfühlen wenn sie sich selbst nicht wohl fühlen. Und sie müssten das jeden Tag so tun. Körper an Körper, Schweiß an Schweiß und ohne Platz für ein Wind zwischendrin. Aber dennoch, es war für mich akzeptabel, denn ich bin groß und sehe über alle drüber. Also fühle ich mich weniger eingeengt. Beim Aussteigen musste man zusehen dass man entweder wartet bis die starke männermasse sich erst mal reingedrückt hat oder einfach schnell genug ausgestiegen war (was aber grundsätzlich nicht möglich ist, selbst wenn man an der dauerhaft geöffneten Tür steht). Die Männer pressen dich zurück, Hauptsache sie sind drin. Wahnsinn! Schau das Video an und überzeuge dich selbst.

Wie fühle ich mich?

Mein Mitgefühl ist schon sehr angeschlagen.. Kindern und Erwachsenen denen es hier so schlecht geht, die auf der Straße abgelegt werden, nichts zu essen haben oder zu trinken und auf der Straße im Dreck und Müll leben, sodass sie in die Hilfestation gebracht werden, die Dankbarkeit dafür, die Menschen die sich Tag für Tag in enge Züge drücken müssen, ob morgens oder abends. Die Menschen ohne Beine oder Arme oder oder oder, die sich durch den dreckigen Zug schleifen um die Reisenden um Geld zu bitten. Das Wissen, wie vielen Menschen es schlecht geht und einfach nicht allen geholfen werden kann… Puuuuh…

Zurück zum Servas Aufenthalt

Am nächsten Tag machten brachte unser Gastgeber uns zu einem musikalischen Talent. Er spielt schon eine sehr lange Zeit Tobla und brachte schon vielen Menschen bei wie man sie spielt. Er zeigte auch uns ein bisschen was von seinen Künsten und brachte Vanessa etwas bei. Er wünschte sich wir könnten länger bleiben, so würde er Vanessa Tobla Erfahrung von 5 Jahren in nur einem Monat beibringen können, so talentiert sei Vanessa. Aber die Reise geht weiter… Und so brachte uns unser Weg vorbei am Rathaus, für welches unser Gastgeber eigentlich arbeitet. Hier stehen bald Wahlen an. Ob wir es uns nicht mal anschauen wollen. Okay. Die Menschen drin waren super nett und sprachen eine Weile mit uns. Wir trafen den derzeitigen Bürgermeister und das Interview ging weiter. Seine erste frage war, wie sich die westlichen Leute den po säubern. Na wunderbar. Als wir dann noch antworteten „mit Toilettenpapier“, wollte unser Gastgeber wissen, ob wir das auch bei ihm tun würden. Er war entsetzt aber hat gelacht und alle anderen mit ihm als wir sagten: „na klar, auch bei dir!“ Danach gab es eine große Fotosession. Die Mädels waren sehr interessiert selfies in allen möglichen Positionen zu machen. Auch der Bürgermeister war mit drauf. In dieser Stunde sind mit Sicherheit über 200 Fotos auf fünf verschiedenen Handys entstanden. Wow.

Die Fragerunde

Am Abend gingen wir noch einmal zu der Familie vom ersten Abend bei denen wir die Bilder angesehen haben. Sie freuten sich riesig uns wieder zu sehen und hatten auch wieder für uns gekocht. Auch hier gelangten wir wieder in eine Fragesession. Der Mann und seine Frau wollten echt alles wissen. Wir versuchten deren fragen möglichst gut zu beantworten, was aber nicht immer einfach war. Scheinbar haben sie uns sehr lieb gewonnen und machten extra für uns chapati zum Essen und verzichteten beim zweiten Mal, und süsigkeiten zu geben, denn die indischen Süßigkeiten schmecken uns einfach nicht. Entweder zu viel zucker oder eben einfach ungewohnter Geschmack. Es war wirklich nett bei ihnen. Sie erzählten uns noch dass sie auch bald in die Berge fahren und ich meinte Haja super dann können wir uns ja dort wieder treffen.


Und dann war es soweit. Wir stiegen in den Zug und am nächsten Tag waren wir dort. Dazu kommt ein dritter Teil, in dem es um unsere Reise zum Waisenhaus geht.

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